Kaffee entkoffeinieren – wie funktioniert das?

Kaffee entkoffeinieren - wie funktioniert das?

Nicht jeder kann normalem Kaffee gut vertragen, es gibt Menschen, die bekommen Magenschmerzen, Schweißausbrüche oder werden unruhig. Der Grund für dieses Unwohlsein ist das im Kaffee enthaltene Koffein. Um Menschen, die empfindlich auf Koffein reagieren, auch den Genuss von Kaffee zu ermöglichen, haben die Hersteller vielen der normalen Sorten oder Biokaffeesorten das Koffein entzogen. Kaffee entkoffeinieren nennt sich dieser Vorgang. Es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Methoden, den Kaffee besser verträglich zu machen.

Das ungesunde Verfahren

Bei den nicht ganz edlen Kaffeesorten aus dem Supermarkt wird der Kaffee in der Regel mit dem sogenannten direkten Verfahren vom Koffein befreit. Die noch rohen Kaffeebohnen werden durch Wasserdampf aufgeweicht und kommen danach in ein Bad mit dem Lösungsmittel Dichlormethan. Das Ganze klingt nicht besonders appetitlich und ist es auch nicht. Wer nach diesem Verfahren Kaffee entkoffeinieren will, muss laut EU-Verordnung einen Koffeinanteil von 0,1 Prozent erhalten. Das Lösungsmittel wird außerdem noch als Abbeizmittel für Lacke und Kunststoffe verwendet und steht unter dem Verdacht, krebserregend zu sein. Zwei Milligramm des Mittels dürfen in einem Kilo Kaffee zu finden sein.

Mit dem Schweizer Verfahren Kaffee entkoffeinieren

In den 1970er Jahren wurde das Schweizer Verfahren entwickelt, was eine giftfreie Möglichkeit bietet, dem Kaffee das anregende Koffein zu entziehen. Kaffee entkoffeinieren erfolgt hier in mehreren Schritten. Im ersten Schritt wird das Koffein mit heißem Wasser aus den Bohnen heraus gewaschen. Im zweiten und dritten Schritt läuft das Kaffeewasser durch einen Filter mit Aktivkohle, wo das restliche Koffein entzogen wird, aber alle andere Inhaltsstoffe erhalten bleiben. Das Schweizer Verfahren kommt ganz ohne schädliche Chemikalien aus, ist allerdings deutlich aufwendiger, als es bei der direkten Methode der Fall ist. Es wird sehr viel Wasser verbraucht und ein Teil der Kaffeebohnen ist danach nicht mehr zu gebrauchen, daher wird das Verfahren eher selten angewandt.

Mit Kohlenstoffdioxid das Koffein entfernen

„Überkritisches Kohlenstoffdioxid“ spielt die Hauptrolle beim dritten Verfahren, den Kaffee zu entkoffeinieren. Überkritisch bedeutet in diesem Fall, der Druck und die Temperatur werden über einen bestimmten kritischen Punkt hinaus erhitzt. Das Lösungsmittel Kohlenstoffdioxid wird flüssig und ist damit ein effektives Mittel, um das Koffein aus den Kaffeebohnen zu lösen. Das Verfahren ist ungiftig und wird besonders oft bei Biokaffee ohne Koffein verwendet. Das Koffein ist in diesem Fall eine Art Abfallprodukt und wird gerne weiterverwendet, beispielsweise für Energydrinks oder Koffeintabletten. Allerdings reicht die übrig gebliebene Menge an Koffein nicht aus, um den Bedarf zu decken. Daher enthalten viele der bekannten Energydrinks noch künstlich hergestelltes Koffein als Muntermacher.

Fazit zu Kaffee entkoffeinieren

Schmeckt Kaffee überhaupt noch, wenn er kein Koffein enthält? Ein guter Kaffee bleibt ein guter Kaffee und wenn er noch Bio-Qualität hat, ist er geschmacklich nicht von einem Kaffee zu unterscheiden, der Koffein enthält. Allerdings fehlt hier der Koffein-Kick, denn Kaffee, der kein Koffein enthält, regt nicht an. Immer wieder haben Forscher den Kaffee ohne Koffein als weniger aromatisch eingestuft, heute weiß man, dass es sich um den sogenannten Placebo-Effekt handelt. Inzwischen arbeitet die Forschung eifrig daran, eine Kaffeepflanze zu züchten, die von Natur aus Bohnen hat, die wenig oder gar kein Koffein mehr enthalten. Dieses Unterfangen gestaltet sich aber als außerordentlich schwierig.

Bild: @ depositphotos.com / pearlbg0@gmail.com

Tommy Weber

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